ANGSTFUTTER 2

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Anthologie

Angstfutter 2

Erscheinungstermin: 02.05.2016
eBook-ISBN: 978-3-944734-04-0
eBook-Preis: 0,99 Euro

Inhaltsbeschreibung:
Dieses eBook beinhaltet die 20 besten Einsendungen des Kölner Junge Autoren Award 2015, der im Rahmen der Crime Cologne vergeben wird.
Natürlich sind auch die drei Siegertitel enthalten:

Mit dem Titel „Rot“ gewann Lisa Neumann den ersten Preis:
„Ein Mann, sehr verunsichert, in psychotherapeutischer Behandlung. Er steht in der Badewanne und kann sich an nichts mehr erinnern. Er streicht mit der Hand durch die Stichwunde an ihrer Halsschlagader und schminkt ihre Lippen mit ihrem Blut. ROT.
Rückblende: Die Frau steht im vierten Stock am Fenster. Soll sie springen? Sie hat ihm gesagt, dass sie sich trennt. Er hat sie angefleht zu bleiben. Doch sie will sich nicht länger von ihm schlagen lassen. Das sagt sie. Und er glaubt ihr, dass er sie geschlagen hat.
Das Ganze ist ein Machtspiel. Zwischen Liebe und Hass. Sie hasst ihn, weil er ihr alles glaubt, was sie sagt, weil sie ihn so leicht manipulieren kann. Doch sie springt nicht aus dem Fenster. Sie geht ins Badezimmer und weiß, wie sie das Spiel gewinnt.
Schnitt: Er weiß nicht, ob er wacht oder träumt. In seiner Vorstellung sticht er auf sie ein. Immer schneller, in immer kürzeren Abständen. Und mit diesen Sätzen endet das Drama: Sie holte das Messer aus der Küchenschublade hervor. So oft hatte sie es betrachtet , sein Gewicht in ihrer Hand sorgfältig abgewogen. Nun war sie entschlossen . In zwei Stunden käme er wieder. Zurück von der Therapie. In zwei Stunden fände er sie.
Ein genialer Schluss. Der finale Wendepunkt im letzten Satz. Hier wird klar: sie hängt ihren Selbstmord ihm als Mord an. Dazu kann ich nur gratulieren. Lisa Neumann verdichtet auf wenigen Seiten 3 Ebenen: Hass und Liebe, Wahn und Wirklichkeit, Spannung und Überraschung. Das Opfer ist der Täter! Einfach Klasse.“ *

Katharina Rettich erhielt den 2. Platz mit „Am Abgrund“.
„Hier schreibt ein Ganove um sein Leben. Er schreibt an die Polizei über drei angebliche Selbstmorde seiner verbrecherischen Freunde. Doch diese wurden von einem Polizisten gezwungen, sich selbst zu töten – dieser will damit die Gerechtigkeit wieder herstellen. Dasselbe ist dem Briefschreiber auch passiert. Doch er konnte sich retten. Wie lange noch?“*

Mit „Locusta de Brinvillier“ erschrieb sich Carina Kalb Platz 3:
„Es geht um den Mord an einer Gärtnerin. Ihr gewalttätiger Exfreund gesteht die Tat und bringt sich in seiner Zelle um. Damit ist der Fall gelöst. Doch dann schildert die Autorin diverse Indizien, die in die verschiedensten Richtungen führen. Und sät damit beim Leser den Zweifel an seiner schnell gefundenen Lösung. Ende.“*

…und weitere 17 spannende Kurzkrimis!

(* alle Texte aus der Laudatio von Jürgen Orthaus)

 

 

Rot

von Lisa Neumann
Gewinnerin des Kölner Junge Autoren Award 2015

Da war Blut. Überall. Es klebte am Badewannenrand, auf den Fließen, rote Schlieren im einlaufenden Wasser. Mit beiden Händen umfasste er ihr Gesicht, bemalte es mit roter Farbe, küsste sie auf den Mund, sodass sie roten Lippenstift trug. Sie hasste roten Lippenstift. Nein, sie hatte rote Farbe auf den Lippen gehasst. Seine Füße brannten, das Wasser war viel zu heiß, er drehte den Hahn zu. Regungslos stand er ihr gegenüber, betrachtete ihren nackten Körper, die Augen, die stumpfsinnig geradeaus sahen, ihn nicht mehr erblicken konnten. Nie mehr. Er würde ihre Blicke vermissen, dachte er, den kalten Hass, der in regelmäßigen Abständen aus ihnen getröpfelt war.

Er ging in die Knie, beugte sich vor, bis ihre Brüste ganz leicht seinen Oberkörper streiften, und schloss ihr die Augen. Ganz sanft. „Schlaf schön“flüsterte er und lächelte. Dabei wollte er gar nicht lächeln, nicht jetzt, nicht hier. Es kam ihm vor, als ob sich seine Mundwinkel eigenwillig nach oben schoben, ihn verhöhnten. Schnell kniff er sich in die Wange, ein kurzer, kaum spürbarer Schmerz, dann küsste er sie erneut, doch ihre Lippen blieben kalt, reglos. Sie umarmend, versuchte er, ihr seinen Atem einzuhauchen, packte sie an den Schultern und schüttelte ihren Körper, so heftig, dass ihr Kopf mit einem dumpfen Schlag gegen den Badewannenrand stieß. Erschrocken ließ er sie zurück ins knietiefe Wasser fallen, zog sie wieder heraus und schrie sie an, bis ihm der Hals wehtat. Sie rührte sich nicht, konnte ihn nicht mehr hören hinter tauben Ohren und geschlossenen Lidern.

In der Hocke, eine Hand um das rechte Knie geschlungen, mit den Fingern der anderen durch das mittlerweile dunkelrote Wasser fahrend, starrte er sie an. Sie hatte so schöne Augen, er wollte die Lider wieder öffnen, sie zwingen, ihn endlich anzusehen. Schnell hob er den Arm und ließ ihn kraftlos sinken. Er hatte sie bemalen wollen, Spuren auf ihrem Körper hinterlassen. Erneut streckte er den Arm aus und berührte sie an den Brüsten. Die Haut war weich und kalt. Erschrocken zuckte er zurück. Er hatte nicht gewusst, wie es sich anfühlen würde und nun, da er es wusste, wünschte er sich, er könnte die Berührung rückgängig machen.

Mit einem Mal schämte er sich seiner Nacktheit. Wieso hatte er sich ausgezogen? Weshalb war er zu ihr in die Badewanne gestiegen? Ein Schluchzen drang aus seiner Kehle empor, es klang seltsam, kein Laut, der von einem menschlichen Körper zu stammen schien, noch dazu von seinem. Er drängte die Tränen zurück, schluckte einige Male, bis er das Gefühl besaß, sich wieder halbwegs unter Kontrolle zu haben, dann ließ er sich nach vorne sinken, auf ihren leblosen Körper. Er hob ihren Arm und legte ihn um sich, doch er rutschte immer wieder herab und er fühlte sich nicht in der Lage dazu, sie am Handgelenk festzuhalten. Schließlich gab er es auf. Die Stille war unheimlich . Mit weitaufgerissenen Augen starrte er sie an. (…)

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